Manuelle Lymphdrainage *

Die Neigung des Pferdes zu Umfangsvemehrungen im Bereich der Extremitäten ist z. B. in Form „angelaufener Beine“ bestens bekannt. Dass Pferde eine besondere funktionelle Schwäche der Lymphgefäße im Bereich des Fußes zeigen, konnte durch Einsatz der indirekten Lymphangiographie (Meyer 1988) an sedierten ödemfreien Pferden nachgewiesen werden.

Bei „angelaufenen Beinen“ wurde bisher ausschließlich mehr Bewegung empfohlen, jedoch zeigen neuere Untersuchungen, dass es sich dabei um die Frühstadien eines Lymphödems handelt, so dass der Einsatz der MLD sinnvoll erscheint.

Umfangsvermehrungen im Bereich der Bauchwand (nach OP) lassen sich effektiver und effizienter durch den Einsatz der MLD behandeln als das eingeschränkte Anlegen eines Bauchverbandes. Bewegungstherapie ist zeitweise ebenfalls untersagt, so dass die MLD dann die Therapiemaßnahme der Wahl ist, um Inaktiviätsödeme zu verringern/verhindern und Verklebungen durch Fibrinablagerung erst gar nicht entstehen zu lassen.

Da Pferde eine vergleichsweise schwache Muskelwandpumpe der Lymphgefäße aufweisen, wird diese aber durch MLD angeregt! In Zusammenhang mit Bewegungstherapie und kompressiven Maßnahmen (Kompressionsverband und/oder Kompressionsstrumpf) ist der Therapieeffekt der „Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie“ (KPE) hoch einzuschätzen.

Von der apparativen intermittierenden Kompressionstherapie (AIK-Geräte) ist abzuraten, da hier eine zentrale Vorbehandlung zum linken Venenwinkel des Organismus nicht gegeben ist und sich Komplikationen durch Ödemverlagerung (in den Hodensack und in die Schamlippen) einstellen können.

Die Anpassung solch einer Schlauchmanschette am Pferdebein ist recht schwierig, da Einziehungen und Erhebungen an den Gelenken des Pferdes vorkommen und identische Druckverhältnisse, die aber gefordert werden, nicht gewährleistet sind.

Lymphangiographien unter AIK-Geräte-Einsatz zeigten, das bei hohem und mittlerem Manschettendruck die Lymphgefäße total komprimiert werden! Erforderlich ist aber eine Durchgängigkeit der Lymphgefäße, damit diese auch ihre Leistung erbringen können, eine totale Kompression erscheint fatal!

Der manuellen zentralen Vorbehandlung (Buglymphknoten) zur Behandlung von Lymphödemen ist ein sehr hoher Stellenwert beizumessen! Durch die Entleerung der regionalen Lymphknoten und der somit gesteigerten Sogwirkung auf die zentralen Lymphgefäße wird der „WEG FREI“ gemacht bzw. beschleunigt. Deshalb drainiert der MLD-Therapeut immer vom linken Buglymphknoten hin zum linken Venenwinkel.

Der Vergleich mit einem Autobahnstau sei erlaubt, denn auch dieser „Stau“ lässt sich nur vorn am Staubeginn auflösen und nicht am Stauende!

Der nach der MLD angelegte Kompressionsverband hat mehrere Auswirkungen auf die Gliedmaßen. Der Gewebedruck wird von außen erhöht, das Ultrafiltrat dadurch gemindert, der Druck in den Gefäßen sinkt, und diese Einengung des Lumens der Gefäße führt zu einer Steigerung der venösen Strömungsgeschwindigkeit. Der Druckanstieg durch die Kompression führt zusätzlich zu einer Steigerung des gewünschten Druckgefälles nach proximal. Kompressionsverbände ohne vorherige MLD bergen die Gefahr, dass die im Gewebe liegenden Plasmaproteine (eiweißreiches Ödem) lymphvaskulär nicht bewältigt werden können. Fibrin lagert sich ab! Das bringt wiederum die funktionellen Zusammenhänge der MLD und Kompression zum Ausdruck.

Behandlungsablauf
Zuerst stehen eine gründliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch mit dem Pferdebesitzer über die Krankheitsgeschichte/das aktuelle Problem des Pferdes an. Die für das Pferd sehr angenehme Behandlung dauert je nach Ödem und Umfangsvermehrung zwischen 30 bis 60 Minuten und endet bei Beinödemen mit der Anlage eines Kompressionsverbandes. Wird ein Pferd präventiv „gelympht“, ist das Anlegen eines Kompressionsverbandes nicht erforderlich, es eignen sich hier aber sehr gut Kompressionsstrümpfe.

Die Lymphdrainage erfolgt in einer vorgeschriebenen Reihenfolge auf der linken wie rechten Körperhälfte des Pferdes.

Die Lymphdrainage sollte zu Beginn täglich durchgeführt und bei länger anhaltenden Umfangsvermehrungen mit Rezidiven ein- bis zweimal wöchentlich über einen längeren Zeitraum beibehalten werden. Die Bandagierung kann nach Beendigung der Therapie-Einheiten noch unterschiedlich lang aufrechterhalten bleiben.

Indikationen für Lymphdrainage:

  • Tendopathien;
  • chron. Phlegmone (Elephantiasis);
  • subakute Phlegmone;
  • Lumbago, Tying-up-Syndrom, Kreuzverschlag;
  • akuter Hufrehe-Anfall;
  • subakute Hufrehe;
  • Inaktivitätsödeme (angelaufenen Beine);
  • postoperative nichtentzündliche Schwellungen (bei medianer Laparotomie) Förderung Wundheilung, Gallen, Sehnenfaserrisse, Muskelfaserrisse, Euterödeme (Mastitis nur unter Antibiose!), Petechialfieber (Morbus maculosus)


Kontraindikationen für Lymphdrainage:

  • akute Phlegmone
  • entzündliche und eitrige Prozesse
  • Tumore (Karzinome, hier Metastasierung möglich!!)
  • Ulzeröse Lymphangitis
  • Druse
  • Mauke
  • EVA
  • EIA
  • Beschälseuche
  • Rotz
  • Ehrlichiose
  • Naganaseuche
  • Milzbrand
  • Babesiose
  • Sporotrichiose
  • Histoplasmose
  • Lymphosarkom
  • Herzfehler / Rechtsherzinsuffizienz

Das „Hermann-Baum-Seminar“ der Med. Hochschule Hannover ermöglicht Human-Physiotherapeuten eine Ausbildung mit Abschlusszertifikat der MLD am Pferd – „Equiner Lymphdrainagetherapeut“. Nur zertifizierte MLD-Therapeuten für Pferde werden von der Med. Hochschule empfohlen (Ausweis!).

Wenn Sie an weiteren Informationen zur MLD interessiert sind, sprechen Sie mich bitte an. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


* Quelle:
2005 Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH&Co,
Herausgeber: Prof. Dr. med. vet. Dirk Berens von Rautenfeld, Dr. med. vet. Christina Fedele
ISBN 3-89993-006-1
„Manuelle Lymphdrainage beim Pferd“
Vergleichende Lymphologie – Indikation – Prävention

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